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Jul 12, 2014

Wounded Bodies

written by admin

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Abbildung 10: Kinesio #2, Material: ungrundierte Leinwand, Holzrahmen, kinesiologische Tapes Abmessungen: 110 x 110 cm, Jahr: 2014

 

 

Die neueren Arbeiten mit dem Titel Kinesio (wounded bodies) bestehen aus fein ge- wobener ungrundierter Leinwand, auf die kinesiologische Tapes aus Baumwolle in einem thermischen Prozess aufgetragen werden. Durch diesen Prozess wird das Bindemittel für die Verbindung von Leinwand und Tape aktiviert, und die Leinwand verändert und verformt sich. Die kinesiologischen Arbeiten werden somit zu einer Allegorie des menschlichen Körpers und seiner ihm innewohnenden Spannung und Energie. Die unter Span- nung gebrachte Leinwand als Oberfläche definiert als Membran und Haut das Volumen des Körpers zwischen Innen und Außen. Die kinesiologischen Tapes teilen als Artefakte den Körper der Arbeiten in verschiedene Bereiche, Ab- schnitte und Rollen ein und bedecken ihn. Denn auch wir bedecken unsere Körper ständig mit unterschiedlichen additiven Mitteln. Nach Verletzungen wird er durch Verbände und Pflaster verbunden; per- manent aber vor der Sichtbarmachung seiner Makel durch Kleidung verhüllt, wir kaschieren unsere Körper vor Blicken, und schützen sie vor äußerlichen Einwirkungen.

Auf einer abstrakteren Ebene verweisen die Arbeiten so auf die Abhängigkeit von Äußerlichkeiten wie beispielsweise dem medizinischen System oder von Produkten als Körperprothese, generell jedoch auf die Wechselwirkung von Innen und Außen. Zu- sätzlich visualisieren sie den gegenwärtigen Zeitgeist, in dem immer mehr Meßgeräte freiwillig auf den Körper appliziert werden, um den Körper zu regulieren und seine Effizienz zu steigern. Obwohl die Therapie- form der kinesiologischen Tapes bisher den wissenschaftlichen Beweis ihrer Wirk-samkeit schuldig geblieben ist, sind die Körper vieler Athleten verschiedenster Disziplinen mit ihnen zugetaped. Sie sol- len die Stimulation der Hautrezeptoren fördern und zu einer wellenförmigen Gewebeanhebung unter dem Band führen. Die Tapes massieren und stimulieren den Körper und aktivieren dabei seine Selbst- heilungskräfte. In der Allegorie lassen die Arbeiten so Rückschlüsse auf das Kunst- system als ein Paradoxon des wirksamen Placebos zu. Erst wenn wir an die Kraft eines Kunstwerks glauben, kann es in uns wirken und wir können mit dem Kunstobjekt interagieren, um uns neue Türen zu öffnen.

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